THEATER: Die Wolken, die Vögel, der Reichtum nach Motiven von Aristophanes

Man kann im Grunde kaum etwas dazu sagen man kann vor allem wenn man darüber schreibt eigentlich keinen Punkt machen man muss einfach weiterschreiben dann kommt man dem Stück von Thom Luz am nächsten jeder Punkt jedes Komma oder ein anderes Satzzeichen würden dem Ganzen nur Struktur geben würden ordnen aber genau das fehlt ja absichtlich bei dem Schweizer Thom Luz der so schöne skurrile Abende auf die Bühne bringt

Thom Luz beschäftigt sich seit Jahren in seiner permanenten Entwicklungsarbeit mit dem Verschwinden von Dingen und mit dem Flüchtigen dem Ungreifbaren und nicht umsonst spielt auch dieses Mal in „Die Wolken, die Vögel, der Reichtum nach Motiven von Aristophanes“ natürlich wieder Nebel eine entscheidende Rolle Nebel kommt und geht man kann ihn sehen und Nebel verändert sich ständig Nebel lässt sich nicht greifen wie die Wolken wie die Philosophie des Altertums und die Wolken und das Geld der Reichtum es ist der Besuch eines neuen Schülers in der Denkschule von Sokrates dem „Phrontisterium“ Thom Luz nähert sich seit Jahren mit gleichen Elementen auf der Bühne seinen Themen neben Nebel (Thom Luz ist angeblich Sammler von Nebelmaschine) sind es simple Klaviere und Tasteninstrumente Neonlicht Werkstattgegenstände auf der chaotischen aber doch auch übersichtlichen Bühne Leitern alte runde Lautsprecher an den Wänden alte Abspielgeräte für Tonbänder oder Filme mit sich langsam drehenden großen Bänderrollen Requisitenkästen auf Rollen Treppen dieses Mal ist noch ein Gabelstapler dabei und musikalisch wird das Geschehen auf der Bühne meist zart unterlegt von Klavierklängen so auch dieses Mal erstaunlicherweise hat sich Thom Luz für sein aktuelles Stück das Cuvillestheater ausgewählt die kleinere Bühne des Münchner Residenztheaters ein noch barockeres Theater lässt sich kaum denken auch damit ist der Abend selbst schon ein Sprung zwischen den Zeiten man betritt den Theaterraum und sieht vor sich den barocken Theaterraum – Mittelalter – und im Hintergrund blickt man auf die offene moderne Werkstattsituation der Bühne – Gegenwart Moderne – wissend dass es um Aristophanes geht der im fünften Jahrhundert vor Christus lebte – Antike – und ganz hinten raus kann man manchmal in den Münchner Residenzhof blicken – wieder Mittelalter aber auch Gegenwart – hier mein Foto beim Betreten des Theaterraums entstanden das Theater blieb natürlich nicht leer ich war nur der zweite Besucher


Man muss die Geduld haben sich mit zeitlosen abstrakten Themen zu beschäftigen einen irgendwie aktuelleren Bezug hat der Abend nicht leider es blieb somit für meinen Geschmack etwas zu „isoliert“ vom richtigen Leben ja zu isoliert von heutigen Gedanken es blieb ohne Bezug zur Außenwelt und ohne Bezug zu unserem modernen Leben dabei wären die so grundsätzlichen Überlegungen des Abends – Worte Wolken Ideen Rede Gegenrede Gedanken Geld – doch vielleicht irgendwie wenigstens ansatzweise auch mit unserem heutigen Leben in Verbindung zu bringen etwa dass Philosophie heute ja kaum noch zählt und es fehlte meines Erachtens sogar ein wenig die Leichtigkeit der Abende von Thom Luz es sind ja im Grunde eher Performances hier aber versucht er eine kleine Geschichte um die Themen zu bilden basierend auf den drei Erzählungen von Aristophanes oft sind es bei Thom Luz auch allein schon die Bewegungen der Personen auf der Bühne die dem Gesamtbild etwas Besonderes geben und es so gelungen machen auch das fehlte mir hier etwas mein Eindruck war es waren vielleicht etwas zu viele SchauspielerInnen beteiligt und ein schöner Moment etwa war der Tanz bei griechischer Musik im Kreis und so weiter

Hier noch weitere Bilder


HIER der Link zur Stückeseite.

Copyright der Bilder Sandra Then

THEATER: Thom Luz – Leonce und Lena (nach Georg Büchner)

Es ist höchste Toleranz gefragt und dann ist es einfach schön! Höchste Toleranz! Genau das zeichnet für mich Theaterbesuche aus. Tolerant sein, offen sein, nicht etwas Bestimmtes erwarten, nicht alles an herkömmlichen Maßstäben messen.

So funktioniert auch Thom Luz. Thom Luz bietet jetzt am Münchner Residenztheater mit „Leonce und Lena“ einen Abend, an dem wieder genau diese Toleranz und Offenheit hilft. Am Sonntag gab es die Münchner Premiere des Stückes, das zuvor schon unter Andreas Beck am Theater Basel lief. HIER ein kurzes Video dazu.

Man mag gerade bei einem Titel wie „Leonce und Lena“ von Georg Büchner eine klassische Inszenierung erwarten. Noch dazu auf der großen Bühne des Residenztheaters. Doch genau das gibt es an diesem Abend nicht. Andreas Beck hat sich damit eindeutig – und durchaus mutig! – dafür entschieden, die Münchner zu überraschen. Thom Luz auf der großen Bühne! Und ich finde, genau das tut gut, jedem Theatergänger tut es hoffentlich gut, grenzenlos offen zu sein. So sollte man auch zu dieser Aufführung gehen.

Es wird natürlich auch Theaterfreunde geben, die nur (oder vorwiegend) klassische Inszenierungen gut finden. Es mögen solche Zuschauer gewesen sein, die nach der Vorstellung dem Beifall Buhrufe beistreuten. Auch das hat natürlich seine Berechtigung. Aber es gibt doch keinen Grund, bei einem Theaterbesuch weniger offen zu sein, als beim gewollten Anblick eines Kunstwerkes.

Thom Luz jedenfalls wählt immer schon sehr eigenwillige Themen, sehr eigenwillige, poetische Gestaltungen. Auch seine Inszenierung „Olympiapark in the Dark“, die ja derzeit im Marstall zu sehen ist, ist entsprechend eigenwillig. Eine eher akustische Annäherung an München. Seine bisherigen Stücke waren allesamt eigenwillig, haben immer etwas Poetisches, keinen Handlungsstrang. Ich kenne „Traurige Zauberer“, „Girl From the Fog Machine Factory“, „Olympiapark in the Dark“ und jetzt „Leonce und Lena“. Er hat sehr viel mehr gemacht, zuletzt in Basel „Radio Requiem“. HIER ein Überblick seiner Produktionen.

Maurice Maeterlink wird im Programmheft so schön zitiert, wenn er mit seinen Augen über das Theater schreibt:

Eine Hand, die nicht uns gehört, klopft … manchmal an die geheimen Pforten des Instinkts – oft könnte man beinahe sagen, des Schicksals, so groß ist die Ähnlichkeit. – Man kann sie nicht öffnen, doch sollte man aufmerksam zuhören.“

Es hätte auch Thom Luz sagen können.

Und gerade mit dieser Toleranz ausgestattet kann man wunderbare Dinge auch an „Leonce und Lena“ – diesem inhaltlich ja sehr überschaubaren Drama von Georg Büchner – entdecken. Mit dieser Toleranz fallen Details auf: Allein die Bewegungen der SchauspielerInnen! Immer wieder auch ihre die Positionierungen auf der Bühne. Die Verschiebung der SchauspielerInnen, das Bühnengeschehen! Besonders Lisa Stiegler in der Rolle der Lena! Es fällt fast deutlich auf: Sie scheint sich vollkommen wohl gefühlt zu haben in dieser Inszenierung und spielte wunderbar! Oder die Sequenz, in der minutenlang in völliger Dunkelheit gespielt, geredet wird (auch die an sich immer grün leuchtenden Notausgangsschilder im Zuschauerraum werden in dieser Zeit verdeckt). Die totale Reduktion auf den Text, auf das gesprochene Wort. Die Dunkelheit zeigte: Auf den Inhalt der „Geschichte“ von Leonce und Lena kommt es hier nicht an. Schon der leichte Nebel, der vor Beginn der Aufführung durch das ganze Theater zog, deutete eher an: Es kommt ein Abend von Thom Luz!

Zur „Geschichte“ von Leonce und Lena:

Sie ist, so Thom Luz, „scheinbar schnell erzählt: Ein Prinz und eine Prinzessin aus benachbarten Königreichen flüchten vor einer arrangierten Ehe, verlieben sich inkognito ineinander und versuchen, mit einer List ihren Lebensweg selbst zu bestimmen – nur um am Schluss festzustellen, dass sie ihrem vorbestimmten Schicksal in die Arme geflüchtet sind.“

Vor dem Hintergrund dieser „Geschichte“ geht es Georg Büchner aber wohl eher um verschiedene Weltsichten. Liebe und Tod, Melancholie und Sehnsucht, das Ich und die Gesellschaft. Es sind auch im „Originaltext“ fast nur Betrachtungen.

Thom Luz greift für seine wieder poetische (und natürlich nicht klar verständliche) Inszenierung dementsprechend verschiedene Einzelkomponenten des „Romans“ auf. Und dem folgend enthält das Programmheft ein alphabetisch geordnetes kleines Kaleidoskop der prägenden Begriffe des Stückes. Von Automat bis Zitate. Und dazu – auf der Bühne – Bewegungen und Musik.

Auffallend ist im Übrigen auch, so mein Eindruck, dass die Textpassagen des Romans, die gesprochen werden, mitunter in dieser Thom’schen Szenerie eine andere Bedeutung erhalten, als im Originaltext. Sie tauchen aus einer Versenkung auf.

Das Bühnenbild ist, wie von Tom Lutz gerne gestaltet, ein nicht näher definierbarer Raum. Es könnte eine Werkstatt sein, man sieht eben Gegenstände herumstehen, die zum Einsatz kommen. Gut, es gab auch Szenen, die etwas albern, vordergründiger waren. Die Violine unter der Schuhputzmaschine etwa. Trotzdem! All das hat bei Thom Luz gerne Wirkung und Bedeutung, hier mit Bezug zu „Leonce und Lena“. Es geht ja bei Leonce und Lena auch um Automaten.

Also: Hingehen, offen sein, hinsehen und hinhören!

HIER ein Gespräch mit Thom Luz über die Inszenierung, Auf Französich allerdings.

Und HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Residenztheaters.

Copyright des Beitragsbildes: Sandra Then

THEATER: Thom Luz – Olympiapark in the Dark

Thom Luz kommt aus der Schweiz, Zürich und Basel, und wechselt als Hausregisseur an das Münchner Residenztheater (ist es offenbar auch noch am Theater Basel). Er bringt gerne skurrile, poetische Annäherungen an ganz spezielle Themen. Ein sehr eigenes Gesicht haben seine Produktionen, er selbst hat eine eigene Handschrift, kaum anders zu finden.

Eine solche Themenwelt war bisher etwa: „Dinge, die verschwinden„. Thom Luz sei ein „Spezialist für alles, was verschwinden kann und trotzdem noch da ist“, heißt es irgendwo. Mit der Hannoveraner Treppenhausbespielung «Atlas der abgelegenen Inseln», der Mainzer Hinterbühnen-Verwandlung «Traurige Zauberer» und mit «Girl From The Fog Machine Factory» (Nebelmaschinen) wurde er zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. Oder kürzlich „Radio Requiem“, auch das Thema des Verschwindens. Das ehemalige SRF-Radiostudio „auf dem Bruderholz“ in Basel wird Ende 2019 abgerissen. Auch das gab ihm Anlass, seine Poesie des Verschwindens zu entfalten.

Jetzt der Abend „Olympiapark in the Dark“ am Residenztheater (im Marstall). Erstaunlicherweise geht es hier nicht um das Verschwinden, sondern um das Ankommen, das Sich-Annähern an Fremdes, an München nämlich. Und zwar mit Klängen, mit Musik, mit Geräuschen und Dissonanzen. Nicht Harmonisches. Auch immer wieder mit kurz oder lang angespielten (oft bayerischen) Musikstücken oder angerissenen Erzählungen von Dingen, die irgendwie mit München zu tun haben. Karl Valentin, ein Busunglück in Südtirol mit vielen gestorbenen Personen, die nach München wollten, Albert Einstein, sieben Kirchenglocken ….

Werkstattcharakter, natürlich Werkstattcharakter auf der schwarzen Bühne. Und, wie gesagt, viele unfertige Dinge. Erzählungen nur wenige und kurze, ansonsten oft unharmonische Musik, auch Geräusche, etwa das Knistern von Kies beim Gehen. Oder im Eck ein auf dem Kopf stehender kleiner Film über München, den alle fragend betrachten.

Am konkretesten wird es dann gegen Ende, wenn der Olympiapark ins Spiel kommt. Man sieht Videoaufnahmen von der Gruppe der Schauspieler am Olympiaberg. Einer von ihnen läuft immer hinterher, gehört nicht ganz zur Gruppe. Auch das könnte einer der Eindrücke von München sein: Mia san mia. Zwei große schöne Laternen aus dem Olympiagelände werden auf die Bühne getragen.

Und immer wieder Musik. Musik, die aber – wie die Erzählungen – oft unterbrochen wird. Aus der Musik entsteht ein Spiel mit den auf der Bühne verteilten Lautsprechern, man greift herumhängende Mikrophone, spielt auf Streichinstrumenten. Alles immer wieder unterbrochen, wie im richtigen Leben. Eine der Überlegungen von Thom Luz wird in Richtung Musik gehen. Vielleicht: Es ist nicht die harmonische Musik, die uns die Welt zeigt, wie sie ist.

Und ein Gedanke von Thom Luz aus dem Programmheft: „Also man wird auf einem Teppich geboren, rollt dann eine halbe Arschbacke weiter auf diesem Teppich von links nach rechts hört dabei etwas unverständlichen Straßenlärm aus dem Fenster und stirbt kurz darauf, und der Teppich hat sich dabei nicht verändert

Tja, und hört viele Klänge, Versuche von Musik …. Es ist ein „tyischer Thom Luz“, etwas schwerer verdaulich diesmal, etwas weniger Poesie, aber wieder mit Nachwirkung. Die Dinge – mehr als hier angesprochen – wirken ineinander.

HIER die Stückeseite auf der Website des Residenztheraters.

Copyright des Beitragsbildes: Sandra Then

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SONSTIGES: Thom Luz – Radio Requiem

Inszenierungen von Thom Luz hatte ich schon mehrfach gesehen. Sie sind ruhig, sensibel, ausdrucksstark, oft etwas melancholisch, setzen nicht auf hektische Effekte und regen bei aller Einfachheit zum Denken an. Zuletzt war es „Girl From The Fog Machine Factory“. HIER mein damaliger Beitrag.

Jetzt etwas Neues von ihm. „Radio Requiem“ in Basel. Ich habe es noch nicht gesehen, vielleicht habe ich eine Gelegenheit. Thom Luz kümmert sich ja gerne um die Dinge, die so langsam aus unserer Welt verschwinden. Ein „Spezialist für alles, was verschwinden kann und trotzdem noch da ist“ heißt es. Mit seiner Hannoveraner Treppenhausbespielung «Atlas der abgelegenen Inseln», der Mainzer Hinterbühnen-Verwandlung «Traurige Zauberer» und mit «Girl From The Fog Machine Factory» (Nebelmaschinen) wurde er schon zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen.

Jetzt also „Radio Requiem“. Das ehemalige SRF-Radiostudio „auf dem Bruderholz“ in Basel wird Ende 2019 abgerissen. Seit siebzig Jahren wurde an diesem Standort Radiogeschichte geschrieben. „Radio Requiem“ ist ein Spaziergang durch das Radiostudio. Und insgesamt sogar eine „Hommage an die goldene Zeit des Radio“, wie Deutschlandfunk Kultur HIER schreibt. Mehr Informationen zu dieser in Kleingruppen begehbaren Installation gibt es also auf Deutschlandfunk Kultur (siehe den link) und beim Theater Basel, zu finden über den Link rechts oben im Blog, dort ist der Weg zu den Onlineauftritten der großen deutschsprachigen Bühnen – mit Spielplänen etc.

Für hartgesottene Theaterfreunde gäbe es sogar eine Möglichkeit, einen Basel-Besuch zu verbinden mit Simon Stones sicher sehenswertem Stück „Hotel Strindberg“ – es war ja zum Theatertreffen 2019 in Berlin eingeladen: Man sieht am 4. Juli „Radio Requiem“, am 5. Juli „Exklusiv für alle“ – auch interessant! – und am 6. Juli „Hotel Strindberg“.

©️ des Beitragsbildes: Sandra Then, Theater Basel