MUSIK: Matthias Grübel aus „Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek

Hier noch einmal Musik aus „Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek, die Inszenierung von Falk Richter am SchauSpielHaus Hamburg. Etwas ganz Anderes. Es sollte – zusammen mit einem zuckenden Tanz von Frank Willens – mehr den Wahnsinn zeigen, in dem wir leben. „Franks Dance Piece“.

Kleiner Kontrast zum Lied davor aus derselben Inszenierung (Mazzy Star – Fade Into You).

Copyright des Beitragsbildes: Arno Declair

MUSIK: Mazzy Star – Fade Into You

Ich bringe ja gerne Musikstücke aus Theaterinszenierungen. Kürzlich hatte ich den Onlinestream von „Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek gesehen. Daher die Musik hier. Siehe unten. Ein Lied, das dort von Julia Wieninger gesungen wird. Sie steht seitlich auf der Bühne und betrachtet und besingt das Geschehen auf der Bühne.

Es war die Inszenierung von Falk Richter, die 2018 zum Berliner Theatertreffen eingeladen war. Dort hattte ich es auch gesehen.

HIER die Stückeseite des SchauSpielHauses Hamburg.

Ok, es ist kein fröhliches Lied! Trotzdem!

Es geht in „Am Königsweg“ ziemlich deutlich – auch ohne Namensnennung – um Donald Trump, den „König“. Und es geht um viel mehr – Elfriede Jelinek eben. Aufsehenerregend – für manche positiv, für manche negativ – war wieder einmal Benny Claessens in der Rolle des „Königs“.

Er provoziert ja das Publikum irgendwie immer wieder. Auch hier wieder – etwa mit einem irren Monolog. Auch er singt im Stück ein Lied, das mir gefallen hat. Mal sehen, vielleicht bringe ich es auch gleich noch.

Falk Richter wird in der kommenden Spielzeit Hausregisseur der Münchner Kammerspiele. HIER die Meldung von ZEIT online. Es ist ja sehr fraglich, wie die immer interessanter gewordene Intendanz von Matthias Lilienthal an den Münchner Kammerspielen im Sommer enden wird. Geplant war etwa eine 24 -Stunden- Aktion. Ob und wie so etwas im Sommer stattfinden kann? Who knows!

Mazzy Star wurde 1989 gegründet. Melancholisch oder auch düster sind sicher einige Stücke der Band. Wikipedia nennt die Musik „gitarrengestimmten Folkpop“.

Vor Kurzem erst, am 26.02.2020, war im SPIEGEL (HIER) zu lesen, dass einer der Begründer von Mazzy Star, David Roback, im Alter von 61 Jahren gestorben ist.

Fade into You erschien 1993 auf dem Album So Tonight That I Might See, dem zweiten Album der Band. Laut Wikipedia ist es das erfolgreichste Lied von Mazzy Star.

Eine Übersetzung des Songtextes lautet:

Ich mag die Hand in Deinem Innern halten
Ich mag nen Atemzug nehmen der wahr ist
Ich schau zu Dir und sehe nichts
Ich schau zu Dir um die Wahrheit zu sehn

Du lebst Dein Leben, Du wandelst in Schatten
Du gehst hinweg hinein ins Schwarz
Eine Art von Nacht in Deiner Finsternis
Färbt Deine Augen mit dem was nicht da ist

Verklingen in Dir
Seltsam das Du´s nie gemerkt hast
Verklingen in Dir
Ich find´s seltsam das Du´s nie gemerkt hast

Das Licht eines Fremden geht langsam auf
Das Herz eines Fremden ohne Zuhaus
Du führst Deine Hände in Deinen Kopf
Und dessen Lächeln bedeckt dann Dein Herz

Verklingen in Dir
Seltsam das Du´s nie gemerkt hast
Verklingen in Dir
Ich find´s seltsam das Du´s nie gemerkt hast

Hier zwei Versionen. Das Original:


Und hier eine Version des Songs gesungen von MileyCyrus! Auch gut.

Und hier die lyrics in Englisch:

I want to hold the hand inside you
I want to take a breath that’s true
I look to you and I see nothing
I look to you to see the truth
You live your life, you go in shadows
You’ll come apart and you’ll go blind
Some kind of night into your darkness
Colors your your eyes with what’s not there

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew

A stranger’s light comes on slowly
A stranger’s heart without a home
You put your hands into your head
And then its smiles cover your heart

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
I think it’s strange you never knew

Copyright des Beitragsbildes: Arno Declair

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Gesehen und gehört

THEATERTREFFEN EXTRA: Elfriede Jelinek – Am Königsweg (Schauspielhaus Hamburg)

Also Elfriede Jelinek, österreichische Trägerin des Literaturnobelpreises! Seit vielen Jahren werden ihre Bücher immer wieder auf die Bühnen gebracht. So in München derzeit (noch) „Wut“, zu sehen am DIENSTAG! 22. Mai, 19.00 Uhr. HIER die Website der Kammerspiele zum Stück, mit Trailern.

Oder auch in Hamburg „Am Königsweg„, die Inszenierung von Falk Richter. Es sind meist extrem wüste Inszenierungen. Reinsetzen, vorbeiziehen lassen und ein paar Ansätze mitnehmen. HIER der Trailer aus Hamburg. Es ist zu viel meist, denke ich. Hier ein paar Bilder:

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Dieses mal gibt es sogar – sieht gar nicht so aus! – ganz ruhige Momente, wenn Ilse Ritter vom Stuhl aus oder vom Balkon aus als Elfriede Jelinek selbst das Wort ergreift. Motto: „Ich werde alt, habe nichts mehr zu sagen, meine Worte werden verschwinden. Also: „Wir lernen ja eh nicht dazu„, siehe Donald Trump. Es ist zu einem großen Teil ein Anti-Trump- Text. (Manchmal liest man nicht „Text“, sondern „Textfläche“, passt besser). Trump wird aber nicht namentlich genannt, man redet abstrakt ständig vom „König“. Der macht, was er will. Obwohl er ja gewählt wurde. Er führt sich auf wie wildgeworden. Wahrheit ist nicht mehr relevant. Tenor der Inszenierung: „Wir sind alle blind„. Siehe das Bild oben.  Und: „Wir meinen dauernd, etwas Neues zu schaffen, aber es ist immer das Alte! Weil nur das kennen wir ja und wir können ja nur etwas schaffen, das wir kennen! Das führt nicht auf einen guten Weg! Und was wahr ist, erkennen wir auch nicht mehr.

Am beeindruckendsten fand ich – nicht nur ich – Benny Claessens. Er ist die zentrale Figur der Inszenierung! Kritikerstimmen sind hingerissen. Er teilt ja das Publikum seit Jahren in begeisterte Fans und angewiderte Lächler, weil er extrem ist. Ein Berserker, der irgendwie auch seinen Charme hat. Er schimpft – brüllt – etwa mit irrer Power auf das Publikum ein. „Grandios“, „versetzte in Verzückung“ etc. liest man. HIER ein Interview mit ihm.

Und wie er über die Bühne geht! Mit einer ganz bestimmten unauffälligen Geste! Eine kleine Bewegung! Arroganz? Wurstigkeit? „Ihr könnt mich mal“? Oder nur Teil seiner Rolle in Am Königsweg? Der undemokratische König sagt heute ja auch: „Ihr könnt mich mal!“ Die Bühne gehört bei diesem Stück jedenfalls – emotional – hauptsächlich ihm. Er verabschiedet sich mit dem T-Shirt-Aufdruck: „Stop being poor“. Passt irgendwie, Trump und Co. werden es immer als „selbstgemacht“ ansehen, wenn man arm ist. Also hör auf damit!“