Anton Tschechow, der nur 44 Jahre alt wurde, hat sehr viel geschrieben. Er produzierte über 600 literarische Werke, 10 Dramen, 4 Einakter, hunderte von Kurzgeschichten, einen Reisebericht über das Strafgefangenenlager Sachalin und unzählige Briefe. So sagt es Anton Tschechows Schwester Mascha auch zu Beginn der Inszenierung. Man kennt ja einige seiner Werke.
Die Studierenden des 3. Schauspieljahrgangs der Otto Falckenberg Schule, der Schauspielschule der Münchner Kammerspiele, haben sich nun in ihrer in gewisser Weise inhaltlich anspruchsvollen Abschlussinszenierung mit einigen der bekannten Werke Anton Tschechows gleichzeitig beschäftigt. Mit „Onkel Wanja“, „Die Möwe“, „Iwanow“, „Der Kirschgarten“. Auch in diesen Werken geht es bekanntlich um Tschechows fürchterliche, immer unlösbare Frage: Warum lebe ich? Was ist Liebe? Was macht das Leben aus? Warum ist es so schwer, glücklich zu sein? Das haben sie herausdestilliert aus diesen Werken, vor allem mit Blick auf weibliche Personen in den Stücken, damit haben sie letztlich Anton Tschechow dargestellt.
Sie haben es interessant gemacht, zu sehen ist es noch einmal am 27. Februar. Die Personen der oben genannten Werke sind dabei immer wieder im Gespräch mit Anton Tschechow persönlich, der zusammen mit seiner Schwester Mascha auf der Bühne der Therese-Giehse-Halle erscheint, sich einmischt, gefragt wird und sich auch Gedanken über sein Thema, Leben und Liebe, in seinen Personen macht. Die DarstellerInnen der Personen der Werke Tschechows treten auch teils aus sich heraus, sind dann die SchauspielerInnen und Schauspieler selbst.
Auch der Darsteller von Anton Tschechow (Luis Brunner) tritt aus seiner Rolle heraus und sagt etwa:
Und dann dachte ich mir: gehts in seinen Texten nicht genau darum?
Dass wir alle Menschen mit Wünschen, Ängsten und Sehnsüchten sind und wir können es uns nicht aussuchen, wer wir sind und was wir wollen und wir versuchen krampfhaft unser Leben lang irgendwie das Beste draus zu machen, aber wissen einfach nicht wie?
Mein Eindruck: Diese Befassung der 3. Schauspieljahrgangs der Otto Falckenberg Schule mit Anton Tschechow und seinem großen Thema hat etwas! Sie könnte sogar etwas für Christopher Rüping sein! Ich sehe es vor mir, in einer für ihn so typischen Inszenierung: Auf großer leerer Hauptbühne, mit Livemusik, die gewählte Zusammenstellung der Personen aus Tschechows Werken, … es würde gut passen (Die Inszenierung der Arbeit der Otto-Falckenberg-Schule entstand unter der Regie der schon recht erfahrenen und erfolgreichen Regisseurin/Performerin/Theaterleiterin Lizzy Timmers).
Schauspielerisch ist es durchweg gut! Mal auf der runden „Bühne auf der Bühne“, dem Podium für Tschechows Werke, mal daneben. Ich fragte mich danach ganz frech: Wenn ich zwei oder drei der DarstellerInnen engagieren könnte, welche würde ich „auswählen“? Ich beantworte diese Frage hier nicht. Das mag auch jeder anders sehen. Jede/r wird seinen/ihren Weg hoffentlich gehen, sehr interessant!
Inhaltlich ist es natürlich – ganz nach Anton Tschechow – recht traurig. Nicht nur Anton Tschechow war schließlich mit sich und seinen Werken nicht zufrieden, auch alle anderen Personen, die hier aus den Werken von Anton Tschechow auf der Bühne erscheinen, scheitern an oder hadern mit ihren Problemen, Sehnsüchten, Situationen, unerfüllten Wünschen, unerfüllter Liebe vor allem, an ihren Zweifeln … Traurig aber wahr! Einfach wahr – wie der riesige Mond, der (auch passend, Bühne Bettina Kirmair) über allem schwebt, fast etwas viel, aber lohnenswert!
HIER der Link zur Stückeseite.
Copyright des Fotos: Judith Buss