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THEATER: William Shakespeare- Romeo und Julia

Da ist zum Einen die manchmal (nicht oft) erscheinende riesige Videofläche über der Bühne, auf der Livebilder – etwa von Julia in Großaufnahme – eingeblendet werden. Man ist kleinere Videoflächen gewohnt. So kommt man Romeo und Julia kurz sehr nah, ein lohnender Effekt. Es passt sehr gut zum Drama „Romeo und Julia“, sie beide möglichst nah zu sehen, der Liebe ins Auge zu sehen.

Da ist des Weiteren die so groß wirkende Bühne des Residenztheaters, die man hier bis hinter zu den Backsteinmauern sieht. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die SchauspielerInnen durchgehend – leider – besonders laut und deutlich reden – fast „schreien“ – müssen. Vielleicht ist mir das aber auch nur aufgefallen, da ich zuletzt Theaterstücke auf sehr sehr kleinen Bühnen besucht hatte. Vielleicht liegt es aber auch an der oft im Hintergrund mitspielenden Livemusik, auch wenn diese nicht sehr laut ist.

Da ist weiter etwas ganz Prägendes, siehe die Bilder des Beitrags: Zentral auf der Bühne steht eine große weiße bewegliche (drehbare) „Trennwand“, etwa vier Meter hoch, nicht ganz vom linken Bühnenrand bis nicht ganz zum rechten Bühnenrand. Sie dreht sich manchmal. Diese Trennwand dominiert die Inszenierung. Das Material der Trennwand – dicht aneinander gelegte Eisenträger (Aluminiumgestänge?) horizontal und vertikal – hat die Regisseurin (Hausregisseurin Elsa-Sophie Jach) in anderen Inszenierungen schon ähnlich eingesetzt. Die untere Hälfte dieser hohen Wand des Gestänges ist beweglich, das Gestänge – an dem auch herumgeklettert wird – kann sich durch automatische „Auffächerung“ (herausgezogen wie Schubladen) in beide Richtungen zu einer breiten Treppe entwickeln, was sie auch oft tut. Man kann so beide Seiten der Trennwand über diese Treppen hinweg betreten, oben entlanggehen. Trennung und Durchlässigkeit.

Damit ist man dann auch schon im Thema von „Romeo und Julia“: Die Trennung zweier Welten, die zwei verfeindeten Familien – die Familie Capulet und die Familie Montague. Bekanntlich die Feindschaft der Familien einerseits und die Liebe zwischen Romeo (Montague) und Julia (Capulet) andererseits. So versteht man das Bühnenbild sehr gut (Bühnenbild: Marlene Lockemann).

Das Geschehen um Romeo und Julia wird hier klassisch, nicht etwa stark modernisiert erzählt. Es wird auch umfassend erzählt, mitsamt der Kampfszenen. Die Kostümierung, sie zeigt, dass zumindest eine gewisse Zeitlosigkeit erzielt werden soll: Fast alle Kostüme weisen sich – besonders farblich – durch eine schöne Mischung von modern und klassisch (damalige Zeit) aus (Kostüme: Johanna Stenzel). Da wird auch mal eine moderner anmutende Sonnenbrille getragen (Julias Vater – Oliver Stokowski). Das ist schön gelungen, irgendwie auch von Fantasie getragen.

Inhaltlich: Anfang und Ende. Pia Händler (eigentlich die Amme) und Nicola Mastroberardino (für den Rest des Abends Pater Lorenzo) begrüßen das Publikum als Totengräber. Und Julias letzte Worte sind „tot oder nicht tot“. Es geht eben um die Liebe eingerahmt vom Tod. Liebe extrem. Wobei sich der Zusammenhang von Liebe und Tod doch wohl in heutiger Wirklichkeit Gott sei Dank extrem selten stellt. Am intensivsten erlebt man dann auch Julia (Lea Ruckpaul) und Romeo (Vincent zur Linden), man spürt permanent die Anziehung beider zueinander, sehr gut, manchmal werden sie in ihren Gesprächen von Livemusik begleitet, die fast an Wagners Tannhäuser erinnert. Horngebläse …

Es sind viele Eindrücke, wenn man sich dieses „Klassikers par excellence“ einmal doch noch recht klassisch – dezent modernisiert – annehmen will. Weit modernisierter geht es dagegen etwa zurzeit in der Inszenierung „Romeo und Julia“ am Staatstheater Nürnberg und in der Live-Schalte „Mixtape“ dazu, vom Nürnberger Plärrer, Stadtzentrum, zu. HIER der Link zur Stückeseite der Inszenierung „Romeo und Julia“ von Joanna Praml am Staatstheater Nürnberg und HIER der Link zur Stückeseite von „Mixtape“ von Boris Nikitin ebenfalls am Staatstheater Nürnberg.

Hier noch zwei Fotos der Inszenierung am Residenztheater, der Inszenierung von Elsa-Sophie Jach.

Und hier der Trailer zur Münchner Inszenierung.

HIER der Link zur Stückeseite von „Romeo und Julia“ auf der Website des Residenztheaters.

Copyright der Fotos: Birgit Hupfeld

Von maxkuhlmann

Geboren am 04.08.1961 in Göttingen, aufgewachsen in München, gelebt in München, Lausanne, London, Köln, München, ehemals Rechtsanwalt, Dr. jur., seit 2010 freischaffend in kulturellen Interessensgebieten tätig.

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