Die Theater gehen auch in Bayern in die Sommerpause. Zuletzt noch habe ich an den Münchner Kammerspielen „Very Rich Angels“ gesehen, eine Inszenierung, die auch in der kommenden Spielzeit gezeigt wird.
Es ist eine sehr humorvoll angelegte Produktion, es geht ja darum, dass sich Bill Gates, Elon Musk und Mark Zuckerberg in einer Bar zufällig treffen und über ihre geheimen – oder gar nicht einmal so geheimen – Ideen unterhalten. Nicht reine Phantasie! Vor allem Elon Musk will ja tatsächlich zum Mars, die Erde ist für ihn heruntergewirtschaftet. Es steckt also durchaus etwas Wahres im Stück! Die anderen beiden haben dagegen eher noch die Welt erhaltende oder fördernde Ideen, auch diese Ideen werden von ihnen jeweils im „richtigen Leben“ tatsächlich vertreten. Alle drei Phantasien oder Wünsche treffen hier aufeinander. Das Schöne ist: Sie mögen es alle drei im „richtigen Leben“ ernst damit meinen, hier wird es auf die Schippe genommen, es wird gezeigt, dass vor allem Elon Musks Wunsch, auf dem Mars zu leben, ziemlich absurd erscheint. Die drei begeben sich nämlich auf den Mars, wie man im Laufe des Stückes sieht.
Die Produktion ist dabei insgesamt bei aller Absurdität so schön und „rund“ gemacht, dass ich sie empfehlen möchte! Ganz besonders herrlich sind die schauspielerischen Leistungen der drei „Very Rich Angels“: Christian Löber als Bill Gates, Annette Paulmann als Elon Musk und Elias Krischke als Mark Zuckerberg. Sie sind ein Genuss. Ihre Bewegungen, ihre Äußerungen, ihr Aussehen – herrlich.
Die drei „Very Rich Angels“ treten bei alledem anfangs mit überdimensionierten Köpfen auf – siehe das Beitragsbild oben. Ich dachte im Vorfeld des Abends, hier sei etwas übertrieben produziert worden, ich mag ja gerne schlicht produzierte Inszenierungen. Aber nein: Es passt gut zu den drei „Großkopferten“, wie man in Bayern ja ohnehin sagen würde. Abgesehen davon sind die drei großen Köpfe sehr gelungen, freundlich und ansprechend gestaltet und werden im Laufe des Stückes auch abgelegt.
Insgesamt bezeichnend ist auch schon die Tatsache, dass die drei „Very Rich Angels“ mit ihren überdimensionierten Köpfen und Ideen in einer schlichten und realitätsnah simplen Restaurantlandschaft aufeinandertreffen. Es passt alles gut zusammen, um den insgesamt absurden Charakter der drei Ideen und damit des Abends hervorzubringen.
Bezeichnet wird das Stück als „Musical-Komödie“, es kommt immer wieder zu Musikeinlagen. An „meinem“ Abend hat Jelena Kulic mit ihrer sehr schönen Stimme immer wieder gesungen! An anderen Abenden spielt Madame Nielsen persönlich mit und singt dort auch. Die Mischung zwischen Schauspiel und Musik hat mich jedenfalls durchaus ein wenig an die ebenfalls skurrile Rocky Horror Picture Show erinnert.
Die dänische „Universalkünstlerin“ Madame Nielsen (geboren als Claus Beck-Nielsen) hat den Stücketext geschrieben, Regie hat der in Dänemark – wie es heißt – „gefeierte“ Regisseur Christian Lollike. Sie beide haben sich also etwas Verrücktes, aber Schönes einfallen lassen. Ich kenne mehrere Personen, die sich das Stück gerne noch ein zweites Mal ansehen möchten – vor allem wegen der so guten und ironisierenden schauspielerischen Leistungen!
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele mit weiteren interessanten Inhalten zu den Ideen der drei „Rich Angels“. Ein versöhnlicher Ausklang der Spielzeit, der ich durchaus oftmals kritisch gegenüberstand.
Copyright des Beitragsbildes: Julian Baumann