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MUSIK: Ludwig Hirsch – Komm großer schwarzer Vogel

Das Lied platzierte sich in den österreichischen Charts, kurz nachdem Ludwig Hirsch sich am 24. November 2011 im Alter von 65 Jahren das Leben genommen hatte. Er hatte Lungenkrebs. Das Lied ist ja ein Lied in Erwartung des Todes …

ICH WÜNSCHE ALLEN EINEN GUTEN RUTSCH INS JAHR 2026!

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WEIHNACHTEN 2025

Wahrscheinlich war es so:

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FILM: Joachim Trier – Sentimental Value

Es ist ein Film des norwegischen Regisseurs und Drehbuchautors Joachim Trier mit Überlänge, ist fast mehr die Beobachtung zweier Personen als ein Handlungsfilm, es könnte fast ein Film von Ingmar Bergmann sein, Vater und Tochter, die Beobachtung und Entwicklung ihres Verhältnisses zueinander. Man fragt sich am Ende fast: Wie wird es weitergehen?

Ein ruhiger Film, der durch diese Ruhe, durch die so natürliche Betrachtung der Personen des Films besticht. Es gibt im Grunde nur einen Ort des Geschehens, das schöne alte Haus der Familie, in dem auch die Familiengeschichte steckt. Die Situation der beiden – Vater und Tochter – geht einem nahe, ohne dass man schwermütig das Kino verlassen würde. Ruhige kurze Dialoge, wünscht man sich die nicht öfters im „normalen“ Umgang miteinander?

Auffallend ist auch, dass der Film den Zuschauer in keiner Weise durch irgendwie besondere Filmaufnahmen in die Stimmung holen will, überzeugen will. Er ist – keine Frage – wunderbar gefilmt, wunderbar gespielt, nah an den Personen dran, unaufgeregt, ich kann ihn empfehlen! (Wer weiß, was für übertrieben perfektionierte Filme künftig mit KI auf uns zukommen! Man liest, dass Filmaufnahmen, die zu teuer sind, künftig von KI schnell und billig erzeugt werden können!).

Die „Hauptfiguren“ des Films – Vater und Tochter, siehe das Bild oben – kommen einem nahe, Renate Reinsve und Stellan Skarsgård. Es ist ein „echter“, lebensnaher, persönlich werdender, aber trotzdem zurückhaltender Film, und so hoch prämiert!

Vater und Tochter, es ist ja immer wieder so: Was für ein Verhältnis! Und – so auch in diesem Film – die Familiengeschichte spielt fast immer eine Rolle. Kurz dazu: Die Mutter des „Vaters“ der Geschichte hatte sich früh umgebracht, er, der „Vater“ war damals Kind, beruflich war er dann total fixiert, erfolgreicher Regisseur, war später geschieden von seiner Frau, um die Kinder (zwei Töchter) hatte er sich im Grunde nie gekümmert, war immer weg, bis er nach Jahren – auf der Trauerfeier nach dem Tod seiner Ex-Frau – seine beiden Töchter wiedersieht. Die ältere Tochter ist Theaterschauspielerin, alleinstehend, sie trägt letztlich die Familiengeschichte und all das Schwierige des Verhältnisses zum Vater in sich, ihre Schwester kommt besser damit zurecht. Und der Vater will der älteren Tochter endlich mit einer speziellen Idee näher kommen, auch um mit seinem Leben zurechtzukommen. Und so weiter …

HIER der Trailer.

Zu sehen ist er in München etwa im Theatiner Filmkunst.

Copyright des Beitragsbildes: Casper Tuxen

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THEATER: Avishai Milstein – Play Auerbach!

  • Eine Gruppe von „Laienschauspielern“ möchte ein Theaterstück zum 100-jährigen Ende des Zweiten Weltkriegs spielen, eine „Philipp Auerbach Revue“. Nur „Play“, nicht alles wieder aufwühlen. Warum hat man eigentlich von Philipp Auerbach noch nichts gehört? Es gibt in München nicht einmal eine Auerbachstraße (HIER der Link zu einer Initiative für eine Straßenbenennung, verlinkt auch auf der Website der Münchner Kammerspiele). Sein Engagement für die aus den KZ’s befreiten, nach Deutschland/München zurückkommenden Juden war sagenhaft, sein Schicksal war letztlich traurig und jahrelang durch KZ’s schrecklich. Er hat mehrere KZs überlebt, er blieb aber nach dem Zweiten Weltkrieg in München, wohnte in der Holbeinstraße, wurde 1945 von den Amerikanern als „Staatskommissar für rassisch, politisch und religiös Verfolgte“ in München eingesetzt, 1952 beging er Selbstmord – nach einer Verurteilung durch die bayerische Justiz. Seine Worte in einem Abschiedsbrief: „ Ich habe bis zuletzt gekämpft, es war umsonst …“. So wird es vorgelesen.
  • Play Auerbach!“ ist Teil eines Projektes an den Münchner Kammerspielen zum jüdischen (Über)Leben nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Grunde macht die Bezeichnung des Projektes „Wohin jetzt?“ etwas unsicher. (HIER der Link zur Projektseite, es gibt Termine im Dezember). Werden wir in unserer Erinnerungskultur mit diesem Titel „Wohin jetzt?“ nicht etwas fehlgeleitet? Geht und ging es denn nur um eine „Ortsfrage“, um das „Wohin jetzt“? Muss es für das jüdische Überleben damals nicht eher heißen „Wie jetzt überhaupt weiter“. Denn wie oder warum sollte man als Jude nach den unvorstellbaren KZ-Erfahrungen („Die Hölle auf Erden“ heißt es in Play Auerbach) überhaupt noch weiterleben. „Wo“ man leben könnte/wollte war natürlich auch die Frage, aber die Frage „Wohin“ verharmlost es schon wieder ein wenig. Auch eine Frage der Orientierung. Philipp Auerbach jedenfalls schaffte es bis 1952. Mit wie gesagt unglaublichem Engagement für die zurückkehrenden „Displaced Persons“. Sehr gut gespielt von Samuel Finzi – er als ein Fremdkörper in der dadurch verwirrten Antisemitismus-Projektgruppe „Play Auerbach“. Auerbach hatte alles gegeben für seine Vision, in Deutschland könnten nach dem Zweiten Weltkrieg Juden und Deutsche doch noch zusammenleben!
  • Die Inszenierung ist eine Auftragsarbeit des Autors Avishai Milstein, geboren 1964 in Tel Aviv (Regie: Sandra Strunz). Milstein reißt einen insgesamt fast Minute für Minute in die Orientierungslosigkeit/Verunsicherung: Aber genau das will er! Ein ständiger letztlich bissig daherkommender Wechsel, eine fast schwer zu trennende Mischung von „Humor“ und bitterem Ernst. Noch dazu ist das Geschehen auf der Bühne verlegt in das Jahr 2045, 100 Jahre nach Kriegsende! Auch das ist ein Aspekt für Orientierungslosigkeit, Verunsicherung, denn wir wissen wirklich nicht, was sein wird (Michel Friedman etwa sagte kürzlich an selber Stelle im Gespräch mit Harald Lesch: „In zehn Jahren leben wir nicht mehr in einer Demokratie“ …).
  • Die Gruppe von „Laienschauspielern“ möchte also ein Theaterstück spielen. Vor allem Wiebke Puls zeigt als „Beate“, die Regisseurin der Truppe, dabei großartig fast ein unbekanntes hinreißendes Persiflage-Gesicht. Köstlich! Alle spielen es großartig, nur sie ist in einer lustigen Rolle, alle anderen spielen ernst. Sie sind alle verunsichert, nicht nur die Zuschauer. Es macht seit einiger Zeit immer wieder Freude, das immer besser werdende Ensemble der Münchner Kammerspiele zu sehen! Auch klasse etwa der Gesang von Annika Neugart als Therese Giehse.
  • Insgesamt: So verunsichert habe ich lange kein Theaterstück verlassen! Aber genau darauf sollte es hinauslaufen! Bitterböse im Grunde und gleichzeitig ummantelt von einer lustigen Rahmenstory. Das Lachen konnte einem an den Lippen gefrieren – nicht nur danach wegen der Kälte draußen, sondern schon während der Aufführung, auch wenn die teilweise Überladung (Auftritt Therese Giehse und Otto Falckenberg etwa …) es nicht immer leicht machte. Lehrreich war es damit allemal und sollte es für jeden sein: „Alles vergessen?“ Wir gehen – und gingen – nicht nur bei der Aufarbeitung/Erinnerung an die Nazigreuel oft an der Sache vorbei, wollen die Realität nicht wirklich unter uns haben. Michel Friedman hatte zum Thema „Lüge“ im Gespräch mit Harald Lesch dementsprechend auch allgemein gesagt: „Wir belügen uns vor allem gerne selbst!“ Das trifft es! Und Orientierungslosigkeit – bei mir die Folge des sehr gelungenen Abends – ist ja Kern der Situation der jüdischen Heimkehrer damals gewesen.

Hier noch ein Foto (Therese Giehse singt):

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele, die zu vielen weiteren Inhalten führt.

Copyright der Fotos: Julian Baumann