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BALLETT: Angelin Preljocai – Le Parc

Laurent Hilaire wiederum ist ja seit Mai 2022 Direktor des Bayerischen Staatsballetts, er kommt also damit auf das von ihm schon 1994 in Paris in einer der beiden Hauptrollen getanzte Stück zurück.

Ja, es gibt zwei Hauptrollen: ER und SIE (Julian MacKay und Zhanna Gubanova), das namenlose Paar, das im Laufe des Stückes langsam zusammenfindet. Es geht im Ballett „Le Parc“ um das langsame Entstehen von Liebe, um die Komplexität des Kennenlernens, die Annäherung, um die Komplexität einer Beziehung. Liebe ist ja kein Schalter „Ein/Aus“. Ein Paar kommt sich über die drei Akte des Balletts langsam näher und findet schließlich im letzten Pas de deux, das als „fliegender Kuss“ bekannt geworden ist, zusammen. Sie tanzen es großartig.

Im Programmheft heißt es allerdings nicht „Annäherung“, sondern „Verführung“. Das wiederum klingt etwas veraltet, man denkt ja sofort an die Verführung der Frau. Das mag allerdings daran liegen, dass „Le Parc“ von französischer Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts inspiriert ist. Es ging um beides: Verführung und Liebe.

Von Abweisung über Verstecken, Reise nach Jerusalem, Blicke, Nähe, Widerstand, Reiz, Berührungen … man kann viel entdecken.

Allerdings sieht man das Thema der „Annäherung“ oder „Verführung“ hier nicht aus heutiger Sicht. Man sieht – begleitet vor allem von Mozarts Musik – die höfische Welt des Mittelalters. Das ist fast schade, dasselbe Stück könnte ich mir genauso gut in absolut moderner Umgebung vorstellen. Was wäre anders? Mozarts Klänge und das dominierend Höfische stören da fast ein wenig. Das Thema „Beziehung“ und „Annäherung“ ist ja im Grunde zeitlos, auch wenn sich allein durch die neuen Medien doch Einiges geändert hat. Aber vielleicht hat sich auch garnicht so viel geändert. Andererseits gibt es durchaus durch das Bühnenbild und den Tanz Hinwendungen zum modernen Leben. Denn: Das Höfische ist nicht auf der Bühne zu erkennen, sondern in der Kostümierung. Die Bühne bleibt erfrischend neutral.

Die wunderbare Kostümierung der Tänzer und Tänzerinnen, farblich tolle und teilweise phantastisch opulente Kleider der Tänzerinnen vor allem, mögen dazu beitragen, dass es sich bei „Le Parc“ – keineswegs negativ – eher um ein eher „langsames“ Ballett handelt. Denn Bewegungen, Berührungen, Ausdrücke, Begegnungen … all das ist hier wichtiger als Schnelligkeit, Akrobatik und höchste Tanzkunst – die natürlich auch mitschwingt, aber in der Kostümierung nicht immer in ihrer Präzision zu erkennen ist. Etwa weil die Tänzer und Tänzerinnen teilweise höfische Fracks tragen, die ja mitschwingen. Diese Kleidung führt eben manchmal geradezu dazu, dass man die natürlich gegebene rein körperliche Präzision und hohe Meisterschaft des Tanzes garnicht deutlich erkennen kann. Es geht in „Le Parc“ in der Tat mehr um den erzählerischen Verlauf des Stückes, um die „Verführung“ oder „Annäherung“ eben, der man in den drei Teilen gut folgen kann.

Wunderbar wie immer finde ich es ja, ganz banal gesagt, wie alles allein durch Bewegung, durch die Personen auf einer großen Fläche, der Bühne, ohne Worte, ausgedrückt werden kann.

Interessant war auch, dass das Publikum altersmäßig auffallend gemischt war – mein Eindruck. Von ganz jung bis ganz alt, alles war dabei.

Hier noch zwei Fotos von „Le Parc“:

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Bayerischen Staatsballetts

Copyright der Beitragsbilder: Nicholas Mackay

Von maxkuhlmann

Geboren am 04.08.1961 in Göttingen, aufgewachsen in München, gelebt in München, Lausanne, London, Köln, München, ehemals Rechtsanwalt, Dr. jur., seit 2010 freischaffend in kulturellen Interessensgebieten tätig.

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