Zum Naturschriftsteller Robert Macarlane hatte ich schon einmal etwas geschrieben. Sein damals vorgestelltes Buch „Sind Flüsse Lebewesen?“ gibt einen wunderbaren lebensnahen Einblick in das unterschätzte Wesen von Flüssen. HIER mein Beitrag dazu: https://qooz.de/2025/07/01/literatur-robert-macfarlane-sind-fluesse-lebewesen/
Jetzt kam ein weiteres Buch von ihm heraus, auch wieder zu einem vernachlässigten großen Thema des Naturschutzes: „Das Buch der Vögel“. Das Buch beginnt mit erschreckenden Zahlen:
Ein großes Auslichten der Himmel ist im Gange. In Nordamerika gibt es 3 Milliarden Vögel weniger als vor einem halben Jahrhundert. In Europa 500 Millionen weniger. In Großbritannien 73 Millionen weniger. Weltweit sind mehr als die Hälfte aller Vogelarten bedroht.
Milliarden von Vögeln weniger! Vögel verschwinden aus unserer Welt! Aus Deutschland hört man zuletzt etwa: Spatzen sind verschwunden! HIER ein Link zu einem Artikel von WELT-Online aus dem September diesen Jahres: https://www.welt.de/wissenschaft/article6a9e646a181cb962d4886520/naturschuetzer-sind-besorgt-zahl-der-spatzen-geht-dramatisch-zurueck.html
Das „Buch der Vögel“ ist eine Hommage an 49 auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Vogelarten stehenden Vogelarten. Es heißt im Vorwort:
Das „Buch der Vögel“ „möchte seine Leserinnen und Leserinnen helfen, Vögel zu bestimmen, natürlich, aber auch sich mit Ihnen zu identifizieren. Anstatt Fotos – Illustration. Neben Fakten – Metapher, Geschichte, Gedicht. Anstelle von Definition – Relationen. Über Klassifikation hinaus – etwas wie Liebe.
Zusätzlich zu den schönen Zeichnungen der besprochenen Vögel von Jackie Morris wären QR-Codes schön gewesen, auf denen man in Kurzvideos diese Vögel hätte sehen können. Die Texte von McFarlane sind so poetisch, dass Blicke auf diese Vögel in QR-Codes so hilfreich wären! Schade. So bleiben die besprochenen Vögel leider unsichtbar, wo doch ihre Verhaltensweisen, ihr Charakter, ihr Aussehen und ihre Lebensart so lautmalerisch, mit vielen Metaphern belegt, mit vielen, vielen in der freien Sprache des Alltags nie gebrauchten Wörtern beschrieben werden.
Aber: Das Buch gibt eine schöne Gelegenheit, sich einmal der Besonderheiten der beschriebenen Vögel anzunehmen, sich ihnen zu nähern! Vögel sind uns ja immer fern! Sie fliegen vorbei, werden nicht beachtet! Sie fliehen ja fast immer vor uns, zeigen sich ungern. Aber was wäre eine Welt ohne Vögel! Sie verbinden Luft, Wasser und Erde. Das Buch ist noch dazu unterteilt in die großen Wunder der Welt der Vögel, in Nest – Ei – Schnabel – Gesang – Feder – Flug – Vogelzug.
Das Buch – das man eher wie ein Lexikon immer wieder einmal zur Hand nehmen wird – endet auf dem Buchrücken mit: Ein Liebesbrief an die Pracht und die Geheimnisse der Vogelwelt – und einen Weckruf, um das Verschwinden der Vögel aus Land, Meer und Himmel aufzuhalten. Schade nur auch: Die Texte von Robert Macfarlane sind fast zu abgehoben, zu subjektiv, zu malerisch, oft schwer verständlich! Man braucht Zeit!
Und: In manchen Kinos – so im Theatiner Filmkunst in München, Theatinerstraße – kann man derzeit den Film „Watching people watching birds“ sehen. HIER ein Trailer:
HIER auch der Link zur Seite zum Buch auf der Website des Verlages Ullstein: https://www.ullstein.de/werke/das-buch-der-voegel/hardcover/9783550204586