Zum achten Mal diskutierte Michel Friedman in den Münchner Kammerspielen mit einem eingeladenen Gast zu einem Thema. Das Thema war „Lüge“, der Gesprächspartner war Harald Lesch. Die Reihe der Einladungen wird monatlich fortgesetzt.
Die Reihe lebt davon, dass Michel Friedman zum jeweiligen Thema sehr präzise und teilweise sehr schwierige Fragen aufwirft. Es ist immer interessant, die guten Fragen, die Versuche der Antworten der eingeladenen interessanten Gäste und Gästinnen und die Entwicklung der Gespräche solch „kluger Köpfe“ zu erleben.
Kurzer Eindruck heute: Im Falle von Harald Lesch und dem Thema „Lüge“ schien das Gespräch insgesamt erstaunlicherweise nicht sehr gelungen – es war aber trotzdem interessant! Harald Lesch, der ja wunderbar intelligent wissenschaftliche Dinge erklären kann, war m. E. an mancher Stelle von den tief gehenden interessanten und zugegebenermaßen fast zu schwierigen – erst persönlichen, dann zunehmend politischen – Fragen von Michel Friedman überfordert. Für Harald Lesch war es fast unlösbar (Frage etwa: „Werden wir in 8 oder 10 Jahren in Deutschland noch in einer Demokratie leben?“). Schade, Harald Lesch merkte kaum mehr, dass Michel Friedmann doch sehr präzise Fragen stellte, und „entkam“ mehrfach nur mit irgendwie nicht sehr treffenden Antworten – was man von ihm wahrlich nicht erwartet hätte. Michel Friedman selbst kam gegen Ende des Gespräches immer mehr darauf, dass es ihm eher – auch politisch – um das Thema „Wir belügen uns alle selber“ ging. Wir beruhigen uns damit, das Grundgesetz sei stabil. Wir beruhigen uns damit, die AfD im Griff zu haben. Wir beruhigen uns damit, dass unserer Demokratie nichts passieren kann. Michel Friedman dagegen glaubt – allein schon, um gegen diesen dystopischeren Glauben aktiv zu bleiben – „Wir leben in zehn Jahren nicht mehr in einer Demokratie!“. Interessanter Gedanke!
Harald Lesch, für den es wahrlich schwer war, konnte mit den Fragen an mancher Stelle in aller gebotenen Kürze nicht besonders fein umgehen, er „kämpfte“ sich eher mit dem Degen als mit dem Florett gegen Friedman ab, aber gut, das Thema „Lüge“ war auch schwer in den Griff zu kriegen, merkte man insgesamt.
Fazit: Es schien nicht ganz gelungen, war aber trotzdem wieder interessant!
Copyright des Fotos: Gerald von Foris